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Wut und Ärger als Motor zur Veränderung

Aktualisiert: 30. Dez. 2021

Wut und Ärger sind unterschätzte Emotionen und gesellschaftlich nicht sonderlich beliebt. Denn Wut drückt sich direkt und unmissverständlich aus. Sie zeigt, wann Grenzen verletzt oder überschritten wurden. Wie wir mit Wut und Ärger umgehen, zeigt, wie bewusst wir leben.


Menschen, die Wut und Ärger als Motor zur Veränderung zulassen können, sind mutig

Wut wird leider allzu oft als negative Emotion bezeichnet. Das sehe ich nicht so. Grundsätzlich geht es doch im Laufe des Lebens darum, sein Wesen besser kennenzulernen, seiner selbst bewusst zu werden und seine Gefühle adäquat auszudrücken. Das bedeutet, dass man sich seiner Emotionalität bewusst ist und sich nicht in Gefühlen verliert, sie aufstaut oder darin versinkt, um dann im tiefen Tal der Verzweiflung und/oder Energiestaus wieder aufzutauchen und im Alltag diese Unterdrückung der Gefühle durch Zynismus, Sarkasmus und ständigen Ärger auszudrücken. Unterdrückte Reaktionen auf Emotionen wie Angst, Freude, Traurigkeit und Wut verursachen vielfältige Störfelder, mental und körperlich bis hin zu schweren Krankheiten. Aufgestaute und nicht kanalisierte Wut drückt sich durch Aggression aus, mit besonderer Beachtung auf passive Aggression und durch einen verärgerten Gesamtzustand, welcher imstande ist, das Umfeld negativ zu beeinflussen.


Ich bin eine Frau, die Ärger und Wut zulassen kann. Aber auch nur, weil ich mich eines Tages dazu entschied, keine 'Faust im Sack' mehr zu machen. Ich beobachte immer wieder, wie das bei vielen Menschen nicht gut ankommt. Viele Menschen können schlecht mit dem direkten Ausdruck von Emotionen umgehen. Wut allerdings mache ich meistens mit mir selbst aus, die will ich nicht auf andere loslassen. Das Gefühl dazu, den Ärger, jedoch schon. Ich staune immer wieder, wie wenig Menschen mit Ärger umgehen können. Sogar, wenn Ärger angemessen kommuniziert wird. Unter 'angemessen' verstehe ich, rumbrüllen zu vermeiden und verletzenden Worte zu unterlassen. Ich-Botschaften sind immer willkommen und unmissverständlich seine Haltung zu kommunizieren, gehört dazu. Ehrlichkeitshalber muss ich anfügen, dass es auch 'höhere Mächte' gibt, wo der direkte Ausdruck von Wut oder Ärger kein beschreitbarer Weg ist. Um seinen Standpunkt trotzdem zu positionieren gibt es auch andere Wege, den Rechtlichen zum Beispiel.


Menschen, welche Ärger angemessen kommunizieren können, müssen mutig sein, denn die Gefahr besteht, dass man missverstanden, abgelehnt und ausgegrenzt wird.


Es gibt Menschen, welche sich ständig ärgern und griesgrämig durchs Leben gehen und ihr Umfeld damit vergiften. Männer, die einen hysterischen Anfall bekommen, wenn sie sich ärgern, oder Frauen, die Ärger für sich behalten und andere dann einfach wie Luft behandeln. Für diese wäre es höchste Zeit, einmal darüber nachzudenken, warum Ärger zu ihrem Lebensinhalt wurde. Was liegt dem zugrunde? Für Menschen in deren Umfeld empfehle ich, mit der Person ihres Ärgers das Gespräch zu suchen. Hilft es nicht, dann ist es vielleicht nützlich, einen Brief zu schreiben und wenn auch das nicht fruchtet, dann ist es wohl das Beste für Menschen, die unter solchen Personen leiden, sich der Situation zu entziehen. Konsequent.


Unsere Gesellschaft ist programmiert auf lieb, nett und nicht anecken.

Das generiert passive Aggressionen. Ich bin der Klarheit in meinem Leben verpflichtet und gebe mir Mühe, transparent und deutlich zu kommunizieren. Ich zolle anderen dadurch Respekt, indem ich klar kommuniziere und sie immer wissen, woran sie mit mir sind. Dies wiederum gibt ihnen die Chance angemessen zu reagieren. Wo ich meine Grenzen verletzt oder mich nicht respektiert fühle, versuche ich zuerst mit Freundlichkeit meine Botschaft zu platzieren. Meiner Erfahrung nach wirkt diese Vorgehensweise leider nicht immer. Es kann vorkommen, dass man erst 'durchdringt', wenn man gezielt lauter wird, um überhaupt gehört zu werden.


Was mitunter gut funktionieren kann, sind nette und deutliche Briefe, welche deine Gefühle zur Sache ausdrücken, mit der Bitte um Einfühlungsvermögen, da wir alle miteinander leben und das 'Gegeneinander' bekanntlich nur noch mehr Spaltung verursacht.


Das Gehört-Werden kann man trainieren. Ich halte es für sehr wichtig, dass ein Mensch im Laufe des Lebens eine angemessene Kommunikationsfähigkeit erlernt. Das beinhaltet sehr wohl die direkte Vermittlung von Ärger. Wir sind in unserer Gesellschaft auf die 'Wolfsprache' konditioniert, ein Ausdruck von Marshall Rosenberg in seiner Methode der Gewaltfreien Kommunikation . Ich finde den Ansatz faszinierend und in vielen Punkten nützlich, aber nicht immer passend, weil die Wortwahl so ungewöhnlich für 'Wolfsohren' klingen und sie durchaus als 'einschleimend' verstanden werden kann und in gewissen Situationen eher aggressionsfördernd ist. Was ich als enorm wichtig erachte, ist Empathie auszubilden und seine Gefühle als ICH-Botschaften zu kommunizieren.


Einfühlsamkeit ist der Schlüssel zu einem entspannten Umgang miteinander. Dazu gehöret jedoch auch das 'reinigende Gewitter".


Wenn wir uns dem Ärger in unserem Leben stellen und herausfinden, welche Themen dem zugrunde liegen, können wir die Türe zur Veränderung aufstossen. Das erfordert Mut, welcher auf jeden Fall belohnt wird!

 

DER UNTERSCHIED ZWISCHEN EMOTIONEN UND GEFÜHLEN


Hilfreiche Ausführung zum Thema EMOTION Lies hier eine ausführliche Erklärung zum Thema



AFFEKTE Intensive, heftige, kurzzeitig auftretende Emotionen mit desorganisierenden bzw. einengenden Wirkungen auf das Verhalten und Erleben werden auch Affekte genannt. Beispiele sind Freudentaumel, Wut- und Panikanfall.


STIMMUNGEN

Längerfristige emotionale Tönungen des Erlebens ohne einen klaren Reiz-, Situations-, Tätigkeits- und Bedürfnisbezug heißen Stimmungen. Sie bilden gleichsam den "Hintergrund" des Erlebens. Beispiele hierfür sind Niedergeschlagenheit und Mutlosigkeit. Einfache Gefühle werden ausgelöst von Sinnesempfindungen (z.B. unangenehm wirkende Gerüche), Körperempfindungen (z.B. Unbehagen bei Krankheit), Tätigkeitsempfindungen (z.B. Anspannung bei konzentrierter Arbeit) und konkreten Bedürfnissen (z.B. Lust am Essen).

Komplexe Gefühle beruhen auf Vorstellungen oder Einstellungen (z.B. freudige Erwartung, Angst vor Mißerfolg), Gefühlen der Selbsteinschätzung und -besinnung (z.B. Scham, Schuld) sowie emotionalen Komponenten sozialer Einstellungen (z.B. Sympathie) und Werturteile.



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